Erfolgreiche Befundgrabung der Landesarchäologen im Töpfergebiet Herforst

17. 07. 25
posted by: Pick Werner
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Grabungsteam

Die dreiwöchige Befundgrabung  von Archäologen der Landesarchäologie des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz/Mayen, unterstützt durch eine Mitarbeiterin aus Wien, sind erfolgreich beendet. Die Ausgrabungsstelle wurde wieder abgedeckt.

 

Im November hatten Experten des Wiener Ludwig Boltzmann Instituts das Gelände mit einem so genannten Georadar untersucht. Das Georadar schickt elektromagnetische Impulse in den Boden - gibt es Reflexionen mit unterirdischen Objekten, wie etwa Mauerresten, werden diese dokumentiert und von einem Computer umgerechnet. So können Baustrukturen im Untergrund sichtbar gemacht und grafisch dargestellt werden. Nun ging es darum, die Messung einer von 12 neuen Fundstellen durch eine Befundgrabung zu belegen. Dabei fand man im Grabungsgebiet der ausgewählten Töpferstätte tatsächlich  drei Öfen sowie jede Menge Tonscherben und Teilgefäße, die Aufschluss über die Zeit des Töpferhandwerks geben. Nur den "Kleinsten" der drei Öfen konnte man allerdings nebst Feuerungsöffnung freilegen. Die römische Töpfereien rund um Herforst und Speicher könnten zu römischer Zeit eine Art Großproduktion gewesen sein, schlussfolgert Grabungsleiter Dr. Holger Schaaff: "Es deutet sich an, dass wir hier einen ganz ungewöhnlichen Befund haben für die deutsche Archäologie. Dass wir hier auf diesen bis zu 200 Hektar eine Töpferlandschaft haben, die immer aus verschiedenen Töpfereien bestand, die praktisch in einer weilerähnlichen Struktur arbeiteten - bestehend aus einem Wohngebäude, aus Nebengebäuden, aus Werkstätten und mehreren Öfen, die dann hier über mehrere Jahrhunderte qualmten."

  

Der Trierische Volkfreund titelte sogar: "Das Ruhrgebiet der Antike lag in Herforst". 

 

Die Töpfe, Schalen, Becher und Schüsseln aus der hiesigen Herstellung kamen in den Handel. Die römische Kaiserresidenz in Trier war gerade mal 30 Kilometer entfernt und könnte ein großer Abnehmer der Eifelware gewesen sein. Scherben, die aus dieser Produktion stammen, wurden aber auch schon in Lothringen gefunden. Rätsel gibt den Forschern in diesem Zusammenhang auch die Langmauer auf. Sie war 72 Kilometer lang und damit die längste ihrer Art nach dem Limes auf deutschem Boden. "Wir wissen nicht ganz genau, was es ist. Im Moment geht die Archäologie davon aus, dass sie irgendwann im vierten Jahrhundert nach Christus errichtet wurde und wir sehen sie im Zusammenhang mit der Kaiserresidenz Trier. Wir könnten uns vorstellen, dass es eine kaiserliche Domäne war", sagt Holger Schaaff.

  

Das Archäologen-Team will die Untersuchungen der römischen Töpferwerkstätten in Herforst unbedingt fortsetzen. In einem nächsten Schritt soll jetzt Geld bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft beantragt werden, um weitere Ausgrabungen auch in den nächsten Jahren möglich zu machen. Ende September bzw. Anfang Oktober will das Archäologen-Team  ihre Grabungsarbeiten und erste Auswertungen in einer Informationsveranstaltung in Herforst vorstellen.

 

Werner Pick, Ortsbürgermeister