Dann bin ich mal weg ...

posted by: Pick Werner
Erstellt: 20 Juni 2019
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Werner Pickso habe ich mich - frei nach Hape Kerkeling aus meinem aktiven Berufsleben verabschiedet, so will ich auch heute nach 25 Jahren als Ortsbürgermeister unserer Gemeinde und 15 Jahre zusätzlich als Ratsmitglied  Danke und Tschüss sagen.

 

Viele Gedanken haben mich in den vergangenen Wochen und Tagen beschäftigt. Das ist wohl ganz selbstverständlich. Schließlich geht ein zumindest für mich sehr wichtiger Lebensabschnitt zu Ende: - die aktive Teilnahme an der Gestaltung der Kommunalpolitik in Herforst.

 

1989 erstmals ins Amt gekommen, haben sich in dieser langen Zeit in allen Lebensbereichen  gravierende Veränderungen vollzogen. Immer neue Herausforderungen mussten gemeistert, immer neue Aufgaben gelöst werden. Häufig war es eine Gratwanderung zwischen dem, was wünschenswert und dem, was finanziell machbar war. Manchmal schienen Dinge unmöglich, die dann doch realisiert werden konnten.  Ein  Vierteljahrhundert, gefüllt mit viel Arbeit, Gesprächen, Begegnungen, Erfolgen und auch Enttäuschungen. Da sind  für mich aber auch die vielen wertvollen Erfahrungen und bleibende Erlebnisse bei zahlreichen  kulturellen oder Lebensfesten. Dazu gehören aber auch traurige Anlässen, wie der Begleitung von sicherlich 200 vertrauten Mitbürgerinnen und Mitbürger auf deren Weg zu ihrer letzten Ruhestätte.

 

Wichtig war mir, dass unser Dorf über die Zeiträume mit vielen gesellschaftlichen Veränderungen nicht den Zusammenhalt verliert. Dabei wusste ich immer Menschen an meiner Seite, die meine Arbeit begleiteten und in vielfältiger Weise unterstützten. Ich danke allen, mit denen ich in meiner Amtszeit vertrauensvoll zusammenarbeiten durfte, insbesondere auch vielen "stillen Helfern/innen".

 

Die Wertschätzung all derer, die mir geholfen haben, ist groß. Namen nenne ich nicht. Es wären zu viele. Auslassungen wären ungerecht.

 

Ich war mir aber auch nie selbst als " Gemeindeoberhaupt" für die einfachen Arbeiten  zu schade.  Selbst mit anzupacken, weil unsere Finanzlage der Gemeinde dies erforderte, und zum anderen, weil mir das Erscheinungsbild meiner Gemeinde immer ein besonderes Anliegen war. Da mögen  in einem Vierteljahrhundert gut und gerne 18.000 und mehr unentgeltlich geleisteter Stunden außerhalb der eigentlichen Tätigkeit als Ortsbürgermeister zusammen gekommen sein.  Allein beim Bau unserer Kindertagesstätte und deren Erweiterung 1300.  Der Kindergarten soll  aber auch das einzige "Gelingen", sein, das ich hier nennen will, weil ich diesen gegen große Widerstände durchsetzen konnte. Natürlich habe ich nicht alle Wünsche erfüllen können: „Wer das will, muss scheitern." Daher galt es, bei den Ausgaben und Wünschen ab und an auf die Bremse zu treten. Die finanzielle Leistungsfähigkeit meiner Gemeinde im Auge zu behalten und das wenige Geld sparsam und sinnvoll einzusetzen, hatten für mich oberste Priorität.

 

Und natürlich habe ich nicht allen und allem gerecht werden können. Dafür bitte ich  um Nachsicht. Wenn sie gradlinig und mit Rückgrat das Allgemeininteresse konsequent vertreten, müssen sie immer auch jemand auf die Füße treten. Wer zuerst fragt, was seinem Ansehen schadet, kann allenfalls kurzfristig Anerkennung erheischen. Der Bürger erkennt bald, wann und wo jemand gradlinig und verlässlich agiert. Ohne solche Gradlinigkeit steht niemand 25 Bürgermeisterjahre durch. Sicherlich war ich dabei manchmal auch emotional, aber immer engagiert.

 

Zum Schluss dieser Worte bitte ich Sie: Waren Sie mit mir und meiner Arbeit  – wenigstens ein bisschen – zufrieden, dann behalten Sie mich in (hoffentlich guter) Erinnerung; und wenn nicht, dann kann ich es leider nicht mehr ändern. Ich möchte jetzt mehr Zeit haben für meine Familie und Hobbies, die die ganze Zeit zu kurz gekommen sind. Gerade meine Frau Margit musste oft zurückstecken.  Ich bin jetzt 69, und keiner weiß, was morgen ist.

 

Es ist mein Wunsch, "leise" zu gehen. Daher sage ich nur "Tschüss, maacht et good".

 

Euer

Werner Pick